AKTUELLE FORSCHUNGSPROJEKTE

Stand: August 2019

Botulinumtoxin zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) existieren bereits wirksame psychotherapeutische Behandlungsverfahren. Darüber hinaus werden auch Medikamente zur Behandlung bestimmter Symptome beziehungsweise psychiatrischer Begleiterkrankungen eingesetzt. Jedoch gibt es bis heute keine medikamentöse Therapieform, die für die BPS eine offizielle Zulassung besitzt.

In der klinischen Studie 'Botulinumtoxin zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung' wird IncobotulinumtoxinA (umgangssprachlich 'Botox') als neues medikamentöses Behandlungsverfahren zur Besserung der Symptome einer BPS erprobt. Dies geschieht im Vergleich zu einer Akkupunkturbehandlung. Bisherige Studien konnten zeigen, dass die Injektion von Botulinumtoxin in der Glabella-Region im Stirnbereich den Ausdruck von negativen Emotionen vermindert. Dadurch werden die eigenen negativen Emotionen als weniger ausgeprägt empfunden. Diese Beobachtungen beruhen auf der 'Facial-Feedback-Hypothese', welcher die Annahme eines Wechselspiels zwischen Mimik und Befinden zugrunde liegt. Dementsprechend kann eine Behandlung der Stirnregion zu einer Linderung der Symptome führen, was sich wiederum positiv auf die Borderline-typischen Verhaltensmuster auswirken kann.

Dieses Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder

Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsverbund 'Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder' (NeMUP) untersucht Mechanismen, die einerseits sexuellem Kindesmissbrauch und andererseits pädophiler Sexualpräferenz zu Grunde liegen können. Dabei gehen wir davon aus, dass es sich zumindest teilweise um verschiedene Mechanismen für zwei unterschiedliche Phänomene handelt, denn nicht jeder Pädophile begeht sexuellen Kindesmissbrauch und nicht jeder Kindesmissbrauch ist pädophil motiviert. Hierbei kommen bildgebende, psychometrische und physiologische Methoden zum Einsatz. Durch das spezielle Studiendesign soll in der dreijährigen Förderperiode besonders das Verständnis für die Unterscheidung von Sexualpräferenz und sexuellem Verhalten vertieft werden. Die Ergebnisse sollen in Entwicklung und Verbesserung von Therapie- und Präventionsstrategien eingesetzt werden.

Die Standorte des Verbundes stellen ein Netzwerk von führenden medizinisch-psychologischen Forschungs- und Versorgungseinrichtungen sowohl für pädophile Männer als auch für Sexualstraftäter gegen Kinder dar. Die Zusammenarbeit von ambulant-klinischen Einrichtungen aus dem Präventionsnetzwerk 'Kein Täter werden' (www.kein-taeter-werden.de) und Einrichtungen des Straf- und Maßregelvollzugs stellt dabei eine weltweit einmalige Konstellation dar.

Weiterführende Informationen finden Sie auf der offiziellen Homepage des Forschungsverbundes.

Sex@Brain-Studie zu hypersexuellem Verhalten ('Sexsucht')

Hypersexualität ist gekennzeichnet durch exzessives Sexualverhalten, das immer weiter außer Kontrolle gerät und für Patientinnen und Patienten und Angehörige Probleme verursacht. Dabei gibt es noch immer keine einheitlich anerkannte Diagnose für Hypersexualität und es fehlen grundlegende Daten, die für die diagnostische Einordnung notwendig wären. Um diese Datenlücke zu verkleinern, wurde im Arbeitsbereich klinische Psychologie und Sexualmedizin die 'Sex@Brain-Studie' initiiert. Im Rahmen dieser Studie sollen klinische, neuropsychologische und neurobiologische Grundlagen von Hypersexualität ('Sexsucht') untersucht werden. Dabei soll eine umfangreiche Charakterisierung von Männern mit exzessivem sexuellem Verhalten vorgenommen werden. Hierzu erfolgen Untersuchungen mittels Fragebögen, neuropsychologischen Testverfahren und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT). Die Erkenntnisse sollen zukünftig die Diagnostik und Behandlung von diesen Störungsbildern verbessern.

 

Train the Brain with Music - Fit im Kopf durch Musizieren (TBM)

Hören, Bewegen, Fühlen, Sehen und Planen – all diese Dinge passieren gleichzeitig, wenn man Klavier spielt. Und auch in höherem Alter ist es möglich, diese komplexe Tätigkeit zu erlernen. Doch was verändert sich dabei im Gehirn? Wie fühlt man sich dann? Und was bewirkt praktisches Lernen im Gegensatz zu theoretischem? Diesen Fragen gehen wir gemeinsam mit Forschern der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) und der Fachhochschule Westschweiz (Haute école de santé de Genève) nach. Zum ersten Mal analysieren wir  die Auswirkungen von Klavierunterricht bei älteren Menschen mit modernster Technologie und führen die längste und größte Studie zu dem Thema Musik und Neuroplastizität des Gehirns durch.


Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden vor, während und nach der Studie auf ihre kognitiven, perzeptuellen, emotionalen und manuellen Fähigkeiten getestet. Dabei geht es beispielsweise um ihre Aufmerksamkeit, Schnelligkeit und Merkfähigkeit, aber auch um Planung und Durchführung von Aufgaben sowie um Fingerfertigkeit, musikalische Wahrnehmung und Lebensqualität. Zudem erfassen wir Veränderungen der Hirnstruktur und -funktion mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT).


Dieses interdisziplinäre und internationale Projekt wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).